Erfahrungsbericht: Costa Rica - mal kucken, wie es da so ist.....

 

Von Anett Saupe

22. November 2002

CASCADA VERDE is an educational retreat on an organic Permacultur farm located on the south pacific coast of Costa Rica
RELAX in a lush jungle setting overlooking the Ballena Nacional Park!
PARTICIPATE in a creative learning experience in harmony with nature!
VOLUNTEER to learn and work on one of our many projects!
Bring some candles, interesting books, music and good vibes!


Na? Abenteuerlust geweckt? Ich bin auf dieses Volunteerprogramm durch Zufall gestoßen und wollte schnellstmöglich genau dahin. Ich lande also wenige Wochen später in einer lauen Sommernacht in San Jose, der Hauptstadt Costa Ricas. Überall warteten Taxis, die mich kaum durchließen, verschleppen wollten irgendwohin.
Nervös suchte ich ein Schild mit dem Aufdruck "Ritmo del Caribe". Ich fand es auch: Hotelübernachtung per Internet funktioniert also doch. Die Nacht im Hotel schlief ich unruhig. Ich habe meine Schuhe ausgeschüttelt und die Ecken nach Kleingetier durchsucht. Heute muss ich darüber lachen, wie viel Schiss ich eigentlich hatte.
Die Sonne geht auf. Ich breche zur Coca-Cola Busstation auf, die nicht gerade ein sicheres Viertel ist, wie ich gelesen hatte. Ich fand irgendwann das Busschild San Isidro - Uvita. Endlich, ich kaufte mein Ticket und bewegte mich nicht mehr volle 2 Stunden aus der Busstation heraus.Alles war fremd. Ich hatte soviel gelesen über dieses Land, soviel Spanisch aus Büchern gelernt aber all das nützte mir jetzt gar nichts. Ich verstand nichts und ich wusste nicht wie ich tun sollte weil ich nichts verstanden habe. Da saß ich nun richtig blöd touristisch auf meinem Stuhl und starrte ins Leere, während alle Welt sich unterhalten hat. Einige schauten mich an. "Denken sie vielleicht, dass ich viel Geld habe?" Fragen sie sich woher ich komme und was ich eigentlich hier will?" "Oder wollen sie einfach nur mit mir reden?."
"LA NACION!" schreit einer Zeitung verkaufend in den Raum. Irgendwie schreckte ich bei allem zusammen. Etliche Händler boten Uhren, Tücher, Taschen, Batterien - die kleinsten Dinge feil. Ich habe mich gefragt wie sie das an den Mann bringen und was sie damit verdienen wollen. Ich denke dieser ungeordnete Straßenhandel solch "sinnloser Dinge" ist das uneffektivste Geschäft was man machen kann. Nur kann ein kleiner Junge nichts davon wissen was, wie und wo verkauft werden muß , um wenigstens etwas Geld zu machen.
Heute weiß ich, dass all diese Leute, die mich anstarrten einfach nur mit mir reden, den Alltag lebendig machen wollten. Etwas Erzählen über sich selbst und etwas erfahren über mich. Kommunikation, zu der ich unfähig war.
Kommunikation ist Überwindung von Angst und Möglichkeit, das Fremde zum Freund zu machen. Spanisch zu lernen war für mich sehr einfach, dank Carlos und weil jeder auf mich eingeredet hat, egal ob ich es verstanden habe oder nicht. All diese Ticos sind nett zu mir gewesen, haben mir das Gefühl gegeben etwas Besonderes zu sein. Sie haben mir die Hand gereicht und alles so unmöglich scheinende möglich gemacht. Die Ticos sind ein Volk, was nur das unbedingt Notwendige in der Schule gelernt hat, aber soviel weis über Menschlichkeit, Freundschaft, Nähe und Liebe. Ich war beeindruckt und erfreut zugleich...

7 Stunden später: Ankunft in Uvita. Und wo ist Cascada Verde? Keine Ahnung. Ich treffe einen Jungen, der Enrico heißt und mir dreimal den Weg erklärt. Ich hatte es immer noch nicht geschnallt. Er sprach anders als die auf den Sprachkassetten, die ich zu Hause habe. Es dunkelte bereits und ein steiniger Pfad, hinauf in die Berge, lag vor mir. Mit meinem 20 Kilo Rucksack begann ich schwitzend den Aufstieg. Hinweisschilder erkannte ich nur schwer im Dämmerlicht. Der Mond schien auch nicht. Irgendwie, irgendwann kam ich an.
Alles war wie im Traum und genauso wie ich es mir vorgestellt habe. Ich fand Natur pur, ein Holzhaus in den Tropen, Hängematten. Ich schlief ein mit den Unkenrufen der Frösche und wachte auf gegen 5 Uhr morgens mit dem Gezwitscher der Vögel. Der nächste Tag begann mit 4 Stunden Schweißarbeit unter der heißen Sonne Costa Ricas. Mit der Machete Gras schneiden, mit den Händen Ananas von Unkraut befreien und Papayasamen pflanzen. Yuccapuffer kochen, Empanadas machen, Brot backen und leckere vegetarische Gerichte zubereiten mit dem Obst und Gemüse, was wir auf der Finca fanden. Aber vor allem schwitzen, schwitzen, schwitzen. Ich lerne Luis und Carol kennen, die dort Spanisch unterrichten. Wir gehen uns im Wasserfall, der wunderschön eingebettet nur 5 Minuten von Cascada Verde entfernt liegt, erfrischen. Lassen uns mitnehmen von irgendwem, irgendwann, irgendwohin.
Alles was ich in dieser Zeit tue macht mich lebendig. Ich fühle das Leben in mir, genieße die Freiheit ganz für mich allein. Es gibt keine Grenzen. Alle sind eine Gemeinschaft. Wir arbeiten, wir kochen, wir rauchen und wir wohnen zusammen. Wir erweitern gemeinsam das Regenwaldprojekt Cascada Verde. Das war ein Leben. Nun kommt das andere, wahre Leben außerhalb dieser selbstkonstruierten, internationalen Community im tropischen Regenwald. Die Monate vergehen. Ich verlasse Cascada Verde und lerne Carlos kennen...
Ich kam mit viel Geld, das Geld wurde alle und plötzlich bin ich wie jeder andere Tico in Costa Rica: mit wenig Geld, aber vor allem war bin ich nur noch ich selbst. Nichts Teures ist mehr wichtig. Ich brauche keine drei paar Hosen, fünf paar Schuhe, Walkman, Schmuck, oder Make up mehr! Mein Rucksack wird leichter und die Last meiner Seele auch.Ich beginne ein neues Buch aufzuschlagen, einen Traum zu träumen und doch mehr von mir selbst zu erfahren als es mir je möglich erschien. Ich lief den Strand entlang und traf auf einen Jungen in Shorts, dem die Zeit nicht wichtig war, der die Stunden nach der Sonne las und niemals das Lachen vergaß. Ich verliebte mich. Ich verstand nicht, was mir Carlos da auf Spanisch erzählte, aber das war mir auch egal. Ich dachte nur: "red einfach nur weiter" (Ein Lächeln und Nicken meinerseits sollte ihm zeigen, das ich irgendwas schon geschnallt habe). Wir lebten in einer Hütte am Strand, fingen Fische im nahegelegenen Punto Lagarto(es gab da wirklich Krokodile), machten Feuer aus vertrockneten Palmenwedeln, kochten mit Holz und aßen im Schein der Kerzen(wenn die abgebrannt waren, hatten wir Pech gehabt). Es gab keine Elektrizität und kein Telefon. Inzwischen war mein Rückflugticket verfallen.

Für mich war alles neu, wild, exotisch, interessant und aufregend. Das Geld ging uns aus und wir zogen in ein größeres Strandvolk Und während ich in einer kleinen Bar im Surferparadies Dominical an der Pazifikküste Costa Ricas zu arbeiten begann, gingen alle Nachrichten an mir vorbei, jeder Fortschritt, jede neue Erfindung und jeder neue Kinofilm. Es ist egal gewesen, denn wir lebten abseits von all dem in einer selbstgeschaffenen Idylle. Wir sind in die Berge gegangen, um über die Buchten von Dominical zu schauen. Wir sind zum Wasserfall geklettert, um uns vom tropisch heißem Klima in glasklarem Wasser zu erfrischen. Wir haben Tausende Sterne am Himmel gesichtet, Sternschnuppen fallen sehen. Wir haben dem Rauschen des Meeres gelauscht, das erhellt durch das Leuchten des Vollmonds grünlich schimmerte. Wir haben so viel gemacht ohne Geld zu brauchen. Wir haben die Naturschönheiten in uns aufgesogen mit einer Gier, mit der ich früher Bücher gelesen habe. Es war ein Leben ohne Stress und ohne Termine. Ich habe Gott lieben und schätzen gelernt und bin gelehrt worden ihm dafür zu danken, daß er seine schützende Hand über mich hält. Ich habe herausgefunden, dass ich dort glücklich bin, wo Menschen mir Aufmerksamkeit schenken, wo ich jeden und alles als etwas Besonderes betrachte. Wie zum Beispiel den Salamander, der jeden Abend aus seinem Versteck kommt, um lästige Moskitos von den Wänden zu lecken. Oder die kleinen Rotaugenlaubfrösche, die in ruhiger Nacht friedlich aufeinanderhocken, um Liebe zu machen. Oder Ulli, ein Deutscher, der seinem alten Freund Pepe eine Cabina auf dessen Finca baut, um ihm die Rente zu sichern. Oder Noel, der Besitzer Dominicals abgefahrendsten Bar, der immer ein offenes Ohr für seine Problemticos hat. Oder Hannah, das Mädchen das in Yale studiert und voll benebelt nachts in Costa Ricas Bergen herumirrt, um von Spinnen erschreckt und Ästen zerkratzt, letztendlich doch den Weg in der Morgendämmerung zurückzufinden. Weitere acht Monate mit Reis und Bohnen unter der Sonne Costa Ricas vergingen.Dominical ist ein kleines Volk. Jeder kennt jeden. Jeder grüßt jeden und jeder öffnet sich jedem. Es gibt viele Touristen. Es gibt viele Drogen. Drogen, die Ticos an Touristen verkaufen. Der Verkauf(von Marihuana über Extasy zu Kokain) ist erschreckend gefragt und dementsprechend hoch. So fährt man an die Karibikküste um neue "Ware einzukaufen" und sie später an der Pazifikseite teurer zu verkaufen. Alles verläuft ohne Zwischenfälle. Nach dem Motto: Jeder weiß es und niemanden interessiert es.
Hätte ich es nicht selbst erlebt, würde ich nicht glauben wie viel Geld man damit verdienen kann. Touristen, meist aus Nordamerika und Europa, suchen im Urlaub den Konsum von Drogen. Sie bringen sogar welche mit, um die Ticos aus "Freundlichkeit" einzuladen. Als ich dann weißes Zeugs in der Nase von Freunden sah, war ich nicht mal mehr überrascht. Jeden Tag wurde ich damit konfrontiert. Es ging mir auf die Nerven und es tat mir weh, welche Bedeutungslosigkeit man der Sache schenkt. Über uns war ein Campingplatz(ein Obergeschoss wo man campen kann). Ein Junge hat tagelang nur Koks geschnieft und als er einmal krank wurde war plötzlich keiner mehr bei ihm. Er kam zu uns weil ihm kalt war und er eine Decke brauchte, die er nicht hatte. Ich hätte ihn am liebsten in die Arme genommen und das Scheiß Koks ins Meer geworfen. Doch da läuft alles anders. Er verdient sein Geld damit und hat nie gelernt anders zu leben. Außerdem kennt er keine Traurigkeit, denn morgen ist ein neuer Tag. Drogen sind vielen wichtiger als essen und schlafen. Manchmal habe ich mich gefragt, wann er eigentlich mal richtig traurig ist. Des nachts, wenn er schläft und keiner ihn sieht? Es gibt auch eine provisorische Polizei, die man kaufen kann. Man darf in Bars z.B. keinen Alkohol an Feiertagen verkaufen. Aber irgendwie geht es immer. Die "Polizei" kommt in die Bar, schaut nach rechts und links und geht wieder. Das wir eingehüllt waren vom Geruch von Marihuana, scheinte sie nicht besonders zu interessieren. Es störte auch niemanden was in den Hinterzimmern passierte, wer, wann, wo Koks schnieft. Provisorisch halt. Das lässt dieses Gefühl von Freiheit ohne Grenzen entstehen. Es gibt nichts, was dort diese Freiheit einschränkt.
Wir wohnten in einem Zimmer was früher ein Abstellraum war. Es gab kein Fenster, nur Luftlöcher. Meine Mutter hätte fast einen Herzinfarkt bekommen, als sie mich besuchte. Ich empfand es nicht schlimm. In Dominical war es das Einzige für 100 Dollar, da alles andere zum Vermieten an Touristen von Gringos gebaut wurde. Die Einheimischen wohnen außerhalb. Und die Gringos kaufen sich Territorium in den Bergen und verjagen die Ticos von ihren Grundstücken. Sie bieten Geld. Landankauf und deren Verkauf ist heute eines der profitabelsten Geschäfte in Costa Rica. Die Tatsächliche Bevölkerung von Dominical beträgt nur 5o Leute, die ihre Häuser auch weitervermieten(ab 300 Dollar aufwärts). Wie soll man das bezahlen bei einem Verdienst von 250 Dollar pro Monat? Das Leben in Dominical wird fast ausschließlich von jungen, "armen" Ticos bestimmt und reicheren Gringos.
Es gibt viele Moskitos um 5 Uhr abends und viele fette Frösche, die sich richtig gern in die Duschen setzen und mich erschrecken. Es gibt viele Leguane, die über die Wellblechdächer fegen, um sich dann wie Klötze auf den Boden klatschen zu lassen. In Dominical stört nichts niemanden und niemand stört nichts. Keiner fragt nach Arbeitserlaubnis oder Aufenthaltsgenehmigung. Man reist halt schnell mal nach Panama rüber. Es ist einfach illegal-legal.
Die Fiesta in Dominical war auf jeden Fall toll. In der einzigen Bar Dominicals "Thrusters" läuft immer gute Musik dank Noel(dem Besitzer) und man spürt die Vibration unter den Leuten, die von überall her kommen. Es ist sehr international. Zu Weihnachten war die Hölle los. Alle spritzten mit Bier herum bis dann alle so richtig nach Alkohol gestunken haben. "Feliz Navidad"! Danach fährt man dann mit einem reichen Gringo in die Berge, der sein Haus, Alkohol und Sonstiges zur Verfügung stellt damit die Fiesta weitergeht. Ein Sonnenaufgang nach einer langen Nacht, in einer Hängematte mit Blick auf die Buchten von Dominical, ist erschreckend schön. Jeder der einmal in Dominical war kommt wieder zurück.
Das Leben zieht vorüber, die Zeit vergeht so schnell und doch so langsam. Während ich eine Kokosnuss knacke, stürzen Flugzeuge in den New Yorker Zwillingstower. Doch hier zählt nur der Moment. Alles lebt von der Energie des Einzelnen, der Lust am Leben, dem Drang nach Genuss, Spaß, und Zufriedenheit. Carpe Diem auf eine andere Weise und doch viel intensiver, als wir jemals dazu fähig sein werden, den Moment zu erleben.Es wurde uns zu ruhig, wir schnappten unsere Rucksäcke und verließen Dominical auf eine spannende Entdeckungsreise durch Costa Rica. Doch das ist eine andere Geschichte.

2 Monate später erreichen wir Costa Ricas weit erschlossensten Touristenort Jaco und suchten Arbeit. Korruption, Prostitution, verschärfter Drogenhandel schlugen mir ins Gesicht. Der Verdienst war gering entgegen meinen Erwartungen, fliegende Händler, eingebunkerte Ferienheime an überfüllten Stränden sind Realität. Ich habe gedacht, wir treffen auf günstigere Arbeitsbedingungen, mehr Geld, ein besseres Leben. Vielleicht mal ein Zimmer mit Fenster und kleiner Küche? Nichts von dem ging in Erfüllung in meine letzten Monaten in Costa Rica. Ich musste feststellen, je größer die Stadt umso egoistischer sein Volk. Die Menschen wurden unfreundlicher, geiziger und auf ihren Vorteil bedacht. Warum nur erinnert mich das an Deutschland? Alles erschien mir so europäisch, gefährlich, kalt und auf einmal begann das Leben schwer zu werden.
Ich wechselte hier 3 mal die Arbeit(in Dominical nie). Mit einem 12 Stunden Job vergingen die Tage und das Geld war schneller zeronnen als gewonnen. Der Verdienst war geringer als in Dominical und die Arbeit wurde mehr. Es gibt viele Restaurants, Bars, Discos. Überall kann man Geld ausgeben und dann hat man keins mehr. Es gibt also einen Grund, warum die Ticos fast nie weggehen, nur Reis und Bohnen kaufen und Geld an Familienangehörige schicken. Die Jüngeren haben es da schon einfacher. Diese jungen Ticos sind nämlich einfach nur schön. Wir Europäer und Gringas fliegen doch auf die braungebrannten Typen mit den tollen Körpern, die den ganzen Tag surfen und einem was in Spanisch vorlabern. Henry, ein Freund von mir sagte einmal: "Die denken doch, das wir hier immer noch auf dem Pferd unterwegs sind." Und so ist es auch. Alles scheint zurückgeblieben. Dabei lernen wir auch gleich mal etwas Spanisch und ein bisschen Sex ist ja auch ganz nett als Abwechslung zum eintönigen Studium. So "kauft" man sich unbewusst einen Tico, lädt ihn ein und hat schöne Ferien! Denen gefällt das auch ganz gut, denn sie haben ja sonst nichts zu tun. Ganz Clevere laden gleich zum Ausritt zu Pferd ein um Dich dann in einem romantischen Versteck am Strand passend zum Sonnenuntergang zu verführen. Das ist nett. Ich würde es ja auch so machen, nur ich habe mich in Carlos verliebt und so was Einmaliges ist mir auch noch nie passiert. Aus dem Spiel wurde Ernst und der Ernst so gefährlich, dass es wehtat, wehtut und auch noch wehtun wird.

Zurück zum Thema! Auf jeden Fall war es unmöglich etwas Geld anzusparen und zufrieden zu leben. Ich hatte Lust mal Essen zu gehen. Ich wollte mich mal so richtig besaufen. Ich wollte mal mit dem Pferd ausreiten oder den Vulkan besteigen! Doch immer kamen wir zu dem Schluss : das Geld reicht nicht. Die Grundbedürfnisse von Essen und Schlafen allerdings konnten wir decken. Das geht fast allen Ticos so. Mittlerweile hatte man mir auch Uhr, Fotoapparat und Schuhe geklaut! Und kauf Dir mal neue Schuhe für 100 Dollar mit dem Verdienst, den ich hatte. Ich frage mich dann manchmal wie Leute Autos haben und schöne Häuser. In Jaco wurde viel aufgekauft von Italienern - fast jede zweite Strasse. Als ich da beim Italiener arbeitete, hatte ich mit den Leuten zu tun. Die hatten viel zu viel Geld und taten den ganzen Tag nichts. Wie das? Ich vermute die Mafia dahinter, die sich in der dritten Welt absetzt und Geld wäscht - zumindest in Jaco.
Da wo wir wohnten hatten die Leute unter uns alle Malaria und es gab viele Moskitos, die die Krankheitsüberträger sind. Es war eine Epidemie, die von San Jose ausging und sich bis in den Pazifikraum ausbreitete. Carlos sagte immer: "Ich habe zu Gott gebetet, damit wir es nicht bekommen." Gott hat uns beigestanden. Wir sind nie krank geworden. Im Nachbarort war ein Gringo mit Baseballschlägern krankenhausreif geschlagen worden, ein anderer erleidete tödliche Schussverletzungen. Nachts in der Nähe er Disco ziehen sich Alte und Junge Crack rein. Junge hübsche Mädchen gehen in die Bars zur "Arbeit". Sie verdienen an die 100 Dollar pro Mann. Alles geht ineinander über. Meine Freundin schläft halt mit fetten, geilen, alten Gringos! Die Konfrontation ist brutal direkt.Carlos und ich verabschiedeten uns an meinem letzten Tag in Costa Rica, dem 2. Oktober 2003 ungewiss ob wir uns wiedersehen werden, wann und wo. Seit Juni 2002 waren wir unzertrennlich, wir haben so viele Feste gefeiert, alle Ecken Costa Ricas erforscht und uns intensiv miteinander beschäftigt, einander vertraut und uns geliebt.
Warum ging ich weg? Es gab keinen Ausweg, nicht in diesem Moment, in der Situation und in dieser Stadt. Ich wollte nach Deutschland um Geld zu verdienen, zu studieren und um mir eine handfeste Basis zu schaffen in Vorbereitung auf einen endgültigen Abschied von Deutschland.Resultat: Zwischen Costa Rica und Deutschland liegen Welten. Es ist eine Reise wert, nur allein deshalb weil die Menschen es wert sind. Wert, das wir ihnen geben was wir bereits gelernt haben und sie uns zeigen was wir schon vergessen haben. Und zwar den Grund warum wir leben - um zu lieben. Das wir die Sonne auf unserer Haut fühlen, das Rauschen des Meeres hören und den Sternenhimmel über uns bewundern. Das wir alles, was um uns herum passiert, vollständig aufnehmen. Das wir die Liebe zur Natur wiederfinden aber vor allem auch die Liebe zum Individuum. PURA VIDA!


 
 

 

 

 

 


 

webmaster@mestizo.de






esta página todavía no esta terminada! seguimos trabajando por favor envienos sus comentarios

Copyright 2002 mestizo.de